Mehr als Realität? – Augmented Reality in der Industrie

Den meisten Menschen ist Augmented Reality vor allem als Spielerei auf dem Smartphone ein Begriff. Doch neben der Möglichkeit, virtuell eine Wohnung einzurichten oder auf der Straße japanische Fantasiemonster zu jagen, kann diese Technik in der Industrie eine tatsächliche Arbeitserleichterung bedeuten.

Augmented Reality ist eine Mischform aus virtueller und tatsächlicher Realität. Während Virtual Reality eine vollständig simulierte Welt schafft, projiziert Augmented Reality virtuelle Informationen oder Modelle in Echtzeit in die reale Umgebung hinein. Bei der Anlagenplanung beispielsweise lässt sich über Augmented Reality ein maßstabsgetreues Modell der Maschinen in die tatsächliche Produktionsumgebung projizieren. Möglich wird das durch verschiedene Techniken und Geräte.

Brillen und Smartphones

Cyberbrillen wie Google Glass oder Microsofts Hololens verfügen über Sensoren und Kameras. Somit kann der Nutzer mit Gesten oder per Sprache optische und akustische Befehle weitergeben und mit der projizierten Ebene kommunizieren. Vorteil einer Brille ist, dass beide Hände frei sind und sich Daten oder Instruktionen schnell und einfach während des Arbeitsvorgangs abrufen lassen. Nachteilig sind der mangelnde Tragekomfort, besonders für Brillenträger, sowie eine oft geringe Akkulaufzeit. Auf Smartphones und Tablets blenden sich mittels einer App Informationen auf den im Kamerabild befindlichen Gegenstand ein. Je nach Anwendung ist es auch möglich, mit den eingeblendeten Objekten zu interagieren. Nachteil von Smartphone und Tablet ist jedoch, dass dem Nutzer nur eine Hand zur Verfügung steht oder mindestens zu zweit gearbeitet werden muss.

Instruktionen immer im Blick

Gedruckte oder digitale Instruktionen müssen in der Regel mühsam und zeitaufwendig durchgeblättert werden. Insbesondere in eiligen Situationen, beispielsweise bei ungeplanten Maschinenstillständen in der laufenden Produktion, ist das ein signifikanter Kostenfaktor. Mit Hilfe von Augmented Reality und einer entsprechenden Datenbrille rücken Anweisungen und Informationen ins Blickfeld des Nutzers. Die Daten werden entweder auf direkten Befehl oder, je nach Blickrichtung des Mitarbeiters, automatisch in das Sichtfeld des Technikers projiziert. Von Arbeitsanweisungen, etwa wie stark eine Schraube angezogen werden muss, bis zur Darstellung eines Konstruktionsplans sind alle relevanten Daten direkt abrufbar. Der Techniker muss somit weder die Hände von der Maschine nehmen, um sich den nächsten Schritt anzusehen, noch muss er den Montageort verlassen, um etwas zu überprüfen.

Eine Datenbrille projiziert digitale Informationen und Modelle in eine reale Umgebung

Weltweiter Einsatz

Die Fernwartung bildet einen weiteren zentralen Vorteil von Augmented Reality. Anstatt einen Spezialisten einmal um die halbe Welt zu schicken, damit dieser eine Maschine vor Ort repariert oder wartet, kann er mittels Augmented Reality von der Zentrale aus kompetent Unterstützung leisten. Der Experte sieht dasselbe wie der Anwender vor Ort, kann Hinweise einblenden, zeigen, wo der Fehler liegt und genaue Instruktionen zur Problembehebung geben. Gedruckte oder digitale Anleitungen mit hunderten von Seiten, durch die man sich Schritt für Schritt und mit Unterbrechungen der Arbeit kämpfen muss, entfallen somit ebenso wie Checklisten.

Passende Infrastruktur vonnöten

Problematisch ist, dass es im Bereich der Augmented Reality bisher keine standardisierten Entwicklungsplattformen gibt. Programme, die auf einem Endgerät des Herstellers X laufen, funktionieren daher nicht unbedingt auf einem Endgerät von Hersteller Y. Dazu muss das Programm geändert oder komplett neu erstellt werden. Der Nutzen steht und fällt zudem mit der richtigen Infrastruktur zur Übertragung und Handhabung der riesigen Datenmengen. Fehlen die notwendige Internetbandbreite oder Speichermöglichkeiten wie etwa eine Cloud, sehen sich Anwender bald mit der blanken (nicht-augmentierten) Realität ihrer Versäumnisse beim Datenhandling konfrontiert.

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